Geschichte

 
Bereits im Jahr 874 berichtet Gräfin Gunhild von Bergbautätigkeiten am Stahlberg,
einem Berg, an dessen Fuß Atzerode liegt.
Die Bedeutung des Bergbaus für die Entwicklung der gesamten Region war groß.
Mit der Entstehung mehrerer Eisenschmelzöfen, Zain- und Drahthämmer wurde die
Eisen- und Stahlwarenproduktion über Jahrhunderte zur Lebensgrundlage der Einwohner.
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein wurde in der Grube "Stahlberg"
in Atzerode qualitiativ hochwertiges Eisenerz gefördert.

Die tatsächliche Entstehung des heutigen Ortsteils Atzerode im Jahre 1083
wurde erst 1996 in Aufzeichnungen der Einheimischen wiederentdeckt
und das stolze Alter mit einem kleinen Fest gefeiert.

 
     
 
Nachfolgend ein Zeitungsartikel aus der stz vom Samstag, 4. September 2004.
 
 
 
 

Bergbau im Raum Schmalkalden

Stumme Zeugen einst blühender Wirtschaftszweige

Gruben und Schächte durchziehen das Erdreich im Raum Schmalkalden. Der Stahlberg bei Seligenthal ist eines der spannendsten Gebiete. Nicht nur das Johann Wolfgang von Goethe am 12. September 1780 mit Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar hier eine Grube besichtigte und seine Begeisterung am Abend im Übernachtungsort Zillbach zu Papier brachte.

Der Stahlberg hatte eine reiche Palette an Erzen zu bieten: Schwerspat, Eisen- und Kupfererz wurde abgebaut.
Schmalkalden – „Der Bergbau“ am Stahlberg hat wohl mit der Entdeckung des Erzes durch einen Steiermärker im Jahr 1385 begonnen“ sagt Volker Morgenroth, Experte in Sachen Bergbau in und um Schmalkalden. „Der Eisenbergbau am Stahlberg war eine der Grundlagen für die Schmalkalder Kleineisenindustrie. Die Verhüttung der Eisenerzes erfolgte bis in dieses Jahrhundert unter anderem in der Happelshütte oder Neuen Hütte.“ Das technische Denkmal zwischen Seligenthal und Schmalkalden kennzeichnet bis heute dieses Gebiet.
Auch Schwerspat wurde am Stahlberg angebaut, der Abbau von Kupfererz hatte wenig Bedeutung. Der Tiefbau wurde 1969 eingestellt. Hochs und Tiefs kennzeichnen die Zeit danach: „Die ehemaligen Tagesanlagen der Grube Stahlberg wurden als Lehrlingsausbildungsstätte genutzt“, sagt Morgenroth. Nach Einstellung der Arbeiten habe der Schacht nur noch als Flucht- und Wetterweg für die Trusetaler Grube Hühn gedient.
1987 wurde die Lagerstätte Stahlberg wieder vermehrt durch den Tagebau Rödelsberg in Betrieb genommen. Um den Erzkörper zu erreichen, musste die rund 30 Meter mächtige Lage aus Buntsandstein stellenweise abgetragen werden. Der Buntsandstein-Abraum wurde anschließend auf der Halde im Hübental gelagert. Das endgültige Ende stand 1990 an: Fördermaschine und -gerüst wurden verschrottet und Gebäude abgerissen. Heute erinnert unter anderem das abgesenkte Gelände im Grubenbereich an den einst florierenden Betrieb: „Zuletzt erfolgte die Gewinnung unter Tage so lange, bis das Lagerstätte überdeckende Gestein und teilweise der Bewuchs an der Erdoberfläche ‚angezapft' wurden“, erläutert Morgenroth. „Die Folge waren eine große Anzahl trichterförmiger Einsenkungen und großflächige Absenkungen von teilweise mehr als 20 Metern.“
Nahe Seligenthal baute die Schmalkalder Firma Utendörffer und Eichel bis 1886 Eisenerz ab. Der Schwerspatabbau ist hier 1920 gescheitert. Auch der Versuch, Steinkohle zu gewinnen, scheiterte: Die Grube „Segnegott“ im Weihersbachtal sollte den Holzkohlemangel beheben. „1830 bis 1838 betrieb der Bergzehnterheber Johann Christian Schreiber dieses Bergwerk. Doch das Niederbringen des Schachtes musste wegen starkem Wasserzulauf eingestellt werden“, erzählt Morgenroth. „Anschließende Bohrarbeiten, an denen sich auch der Herausgeber des Konversationslexikons, Joseph Meyer, beteiligte, brachten ebenfalls nicht die ersehnte Steinkohle.“

Anja Daume